Gedicht der Woche (XVII)

vorabend

aus seinem tagebuch zitiert der wind
die wolkenvögel. auf dem weg zur kneipe
versäumt ein mückenschwarm die zeit.
bald zeigt sich kassiopeia unverändert
(das überferne lässt sich nicht zensieren).
als rost die brücke hochkriecht,
die neonlichter baden gehen
im tau zertretnen unkrauts,
immatrikuliert die amsel sich
in der lehranstalt des ahorns,
der artig steht wie einer beim appell.
wie rückt der kiesel eng zusammen!
es fallen schüsse. autos brennen.
auf einem hinterhof gebiert sich krätze,
öffnet sich ein spalt zur unterwelt.
kaffee wird aufgebrüht im orkus:
die nacht wird lang. der plan muss sitzen.
der waffenstillstand endet heute abend.
der pfandbon für das schneckenhaus vergilbt.
geflutet wird der aufwachraum
mit schrillen schreien, gruftdurchtränkt.
ein weg kommt zu sich in der psychiatrie.
verschwendet die ressourcen. selber nie verhungernd
lässt einer sich den krieg erklären.

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