Gedicht der Woche XXIV

die legende vom literaturwissenschaftler

er wahrlich liebte die dichtung
und sog sie tief in sich hinein
doch ehe er kam zu sterben
da hörte sie auf so zu sein

der zauber war plötzlich erloschen
es fraßen ihn definition
und werkimmanente betrachtung
und nüchterne klare diktion

er hat es ertragen wohl siebzig jahr
und träumte inzwischen hermetisch
er interpretierte den wasserverlauf
und meinte er sei nicht ästhetisch

er analysierte und evaluierte
die knittel selbst zwischen gebirgen
da kamen die dichter zurück aus dem grab
und wollten ihn nur noch erwürgen

was blieb ihm am ende der lebenszeit
nach forschung kritik und recherche
die einsicht er gibt nun den becher ab
an ebenso knickrige ärsche

(aus: von wegen / abgedriftet. Gedichte. 2007, Studen, kari-kani)

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