Beitrag von André Schinkel

Liebe Freunde und Kollegen, ich wurde nun wiederholt auf die Situation im Land [Sachsen-Anhalt] angesprochen und wurde gebeten, mich zu positionieren – ich weiß tatsächlich im Moment nicht, wie es mit ODA [Ort der Augen] weitergeht, ich bin da als einfaches Noch-Mitglied des FBK-Sachsen-Anhalt tatsächlich überfragt. Ich gehe davon aus, daß die Tage der Zeitschrift gezählt sind.

Soweit ich weiß, ist der Vorstand im Urlaub, sodaß dem auch in mir kochenden Wunsch, daß es eine sofortige Aufklärung der Dinge gibt, nicht entsprochen werden wird. Ich halte die Kündigung von Jürgen Jankofsky für den absoluten Super-GAU in der Literatur des Landes – es wird nichts mehr so sein, wie es war. Vom Procedere her deutet alles auf eine von langer Hand geplante Intrige, die mit Bedacht gesetzten kompromittierenden Sätze und der Umstand, daß diverse Instanzen lange vor den FBK-Mitgliedern informiert wurden, deuten darauf. Sollte sich das bewahrheiten, ist das das Ende des Vereins in der Form, und mit Recht.

Ich glaube wie einige Kollegen und Freunde, daß es in naher Zukunft keinen arbeitsfähigen FBK mehr im Land geben wird. Mit meiner Unterschrift unter den Brief von Ludwig Schumann und Harry Ziethen habe ich mich gemeinsam mit vielen Kollegen aus mehreren Ländern solidarisch erklärt und fordere Aufklärung – vor allem die einfachen Mitglieder des FBK sehe ich bewußt im Dunkel gelassen. Ich erwarte, daß die Sache sofort aufgeklärt wird. Dafür ist eine schnelle Mitgliederversammlung, die bei diesem gravierenden Einschnitt vonnöten ist, einzuberufen, im August und im September ist es dafür eigentlich schon viel zu spät. Ich habe mir mit dieser Forderung allerdings bereits die Zunge verbrannt, so daß ich weiß, daß das gar nicht gewünscht ist.

Was auch immer vorgefallen sein soll, bisher sind nur Spuren ausgelegt, die dazu dienen, dem Ansehen Jürgen Jankofskys zu schaden. Das ist unredlich. Eigentlich ist es so, daß im Herbst die 100. Ausgabe der ODA erscheinen sollte. Dazu müßte sie in Kürze in den Druck. Da es nun keinen Herausgeber mehr gibt und ich nicht absehen kann, wie sich das entwickelt, stelle ich die Arbeit als Chefredakteur bis auf Weiteres ruhend. Ich befürchte, daß das Heft nicht (rechtzeitig) erscheinen kann unter solchen Umständen.

Schon gar nicht wüßte ich, was in dem Editorial einer solchen Ausgabe zu schreiben wäre, wenn man ein ehrlicher Typ ist und bleiben will. An sich sollte es eine Ausgabe sein, die die Literatur feiert und daß es ODA gelungen ist, durchzuhalten und zu wachsen. Was eben auch und in großem Maße das Verdienst von Janko, der seit 2005 als Herausgeber fungierte, ist.

Mein Vertrauen in das, was die Literaturförderung und -öffentlichkeit in Sachsen-Anhalt war, ist erschüttert angesichts der Entwicklungen und der Geheimhaltung, mit der diese moderiert oder eben nicht moderiert werden. Es gibt im Moment leider auch keine objektive Berichterstattung seitens der Presse, sodaß diese existenzielle Situation in der Literatur des Landes letztlich dazu dient, das Sommerloch in diesem heißen Monat zu füllen. Festzustellen ist aber, daß alle Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte nun auf den Prüfstand kommen und mit ihnen die Arbeit auch in der Kinder- und Jugendförderung wie auch die Gewährleistung von Landesaufgaben, erfolgreiche Unterfangen wie die Interlese, Landesliteraturtage, Sonneck und ODA darunter.

Ich bin mit Jürgen Jankofsky seit über zwanzig Jahren befreundet, ich habe mit ihm stets vertrauensvoll gearbeitet und weiß von der Wertschätzung für seine Arbeit von Arendsee bis Jerewan, von Zeitz bis Stepanakerd. Sie ist auch absolut angebracht, ich hege sie selbst. Ich habe seine Zuverlässigkeit und uneigennützige Obsession, die Literatur des Landes nach vorne zu bringen, stets geschätzt und schätze sie noch. Was er für Sachsen-Anhalt und seit einer Reihe von Jahren auch überregional und international leistet, ist von einem unschätzbaren Wert. Andere bekommen für Geringeres einen Orden. Ich kann, will und werde nicht glauben, daß sein Ansehen und seine Leistungen plötzlich so anzweifelbar und wertlos sein sollen. Es erscheint mir völlig absurd.

In Fall der Fälle war es mir eine Ehre, für ODA im Einsatz zu sein. Ohne eine Klärung der Dinge wird es das nicht mehr sein.

André Schinkel

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