Gedicht der Woche (XXIX)

WAS DIESES LAND BRAUCHT

von David Lerner

was dieses land braucht
ist ein guter anwalt für
fünf cent aus nem münzautomaten

was dieses land braucht
ist eine diätbrause
die dir das singen beibringt
und dich gleichzeitig
wichtig aussehen lässt

was dieses land braucht
ist der richtige sinn
in fremden sachen die nase drin
das messer im rücken

was dieses land braucht
ist die furcht so durch das land gleiten zu müssen
wie gas

was dieses land braucht sind
vögel die zu singen aufhören
und wunden die nicht mehr verheilen
und feuer das sich in etwas wirklich
brennendes verwandelt

was dieses land braucht sind
räume aus blut aus furcht
aus vergangenen zeiten aus
tausendjährigem schnee

was dieses land braucht
ist die kraft nicht abzustürzen

mit der flasche am mund
den fuß auf dem gas und
den beäugten schatten

und die heuchelei dass sich die geschichte
nicht auswächst zu einem
zurückgebildeten idioten mit fangzähnen

was dieses land braucht
ist eine kleine schicht
die gerade groß genug ist um sich durchzuschleppen
egal was sich unten
im nächsten tal auch befindet

eine schicht die sich nicht aufhalten lässt

denn jeder müde brennende geist den man sich vorstellen kann
ist so hartgekocht so
heruntergekommen und atmet doch weiter
hat sich dank drogen hierher geschleppt
kroch ohne sich dran zu erinnern auf dem endlosen
boden

dass ein weiterer arschtritt
eher etwas erleichterndem gleicht
solange es für den ganzen
weg reicht

(Übertragung ins Deutsche durch Thomas Rackwitz)

Dieser Beitrag wurde unter Gedicht der Woche abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.