Gedicht der Woche (XXXI)

die krätze hat mich liebgewonnen alter freund
nur hab ich keine zeit zum beten ich lebe
zwischen provokation und detonation
verlust und vergessen uhren und urnen
die grenzen verschieben sich
selbst am arsch der seele
meine augen werden fremd wie die dinge
an die ich glauben soll aber nicht will
glaubst du noch an verschwörungstheorien
den großen kürbis an die autodidakten des scheiterns
die domestizierung von staub
der soziale abschwung wäre nur eine phase
haben sie gesagt in ihrer therapie
einander die hände haltend wie feuerzeuge
es ist nicht einfach für mich alter freund
ich lebe mit kapitalisten zusammen
erst knebeln sie dich mit ihren verträgen
dann verhöhnen sie dich
man gewöhnt sich irgendwann daran
an die ständige überwachung
dass beim ficken die wanzen von den wänden fallen
und du für den schaden zahlen musst
neulich alter freund als ich gassi ging
mit meinen himbeergeistern kurz nach ladenschluss
als die sirene hier wie jeden abend
das alphabet übte der flaschensammler
in seiner metaprache rülpste schreckte ich auf
Gott sprach fürchte dich nicht
je schlimmer du stinkst desto schöner der tod
und verschwand hinter asozialen träumen
jetzt geht es mir besser
da ich am arsch der seele mich kratzend
weiterhin zu den verschwörern zähle
auf die nächste phase warte und mich
die krätze liebgewonnen hat mein alter freund

(aus: im traum der dich nicht schlafen lässt. chiliverlag, Verl 2018.)

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