Gedicht der Woche (XXXII)

Zum heutigen Gedicht der Woche mal ein kleiner Seitenhieb. Ich habe vor einigen Jahren mehrfach (2005, 2007, 2010, 2014) vergeblich versucht, auf der Plattform Poetenladen unterzukommen. Unter anderem habe ich dazu das folgende Gedicht eingereicht. Aufgenommen in den Autorenpool wurde ich nicht, möchte ich im Übrigen auch nicht mehr. Inzwischen ist das Portal ein virtueller Friedhof (passend dazu die sog. Stelen). Ein Teil der Bewegung (siehe beispielsweise hier) möchte ich auch nicht sein.

das algebra

1

das algebra zählt nicht auf buchstabensuppe
es schwört vielmehr auf zahlensalat
auch albträume sind ihm größtenteils schnuppe
es fürchtet allein den verqueren pi-rat

am liebsten wäre es zahnarzt geworden
um wieder und wieder wurzeln zu ziehn
die zahlen ließ es schon oft überborden
ganz gleich ob das minuszeichen erschien

es erdet den himmlischsten heiligenschein
und glaubt nicht es denkt nur hoch x
manchmal beim quer summen fällt es ihm ein
die wahrheit sei null komma nix

2

das algebra denkt nur bedingt ideo-logisch
und wohnt auf der minusinsel
die eulersche zahl hält es selbst für utopisch
schwingt lieber den kosinuspinsel

die seufzer sind eher binärer natur
zwar glaubt’s nicht der zahlenfee
doch macht’s im abstrakten ne gute figur
sein leitspruch ist wzbw

es sucht fast verzweifelt nach richtigen werten
auch fernab jedes beweises
denn oft schon schlich es auf sinnlosen fährten
der quadratur des kreises

(aus: ausgrabungen am offenen herzen. Hallesche Autorenhefte 61, Halle 2015.)

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