Gedicht der Woche (XXXV)

im keller

seit einiger zeit
bewohnt ein engel
meinen keller steht da
wie angewurzelt
zwischen holzvorrat
und feuerlöscher

hin und wieder
flüchten ein paar spinnen
über seine barocke
perücke die flügel
hat wahrscheinlich niemals
irgendwer entstaubt

alle meine versuche
ihn zu erwecken
waren sinnloser natur
der eingepflanzte chip
löste sich auf in der blutbahn
roch es nach weihrauch
das blut das um einiges
dünner war als wasser
schoss nach oben
als ich ihm den überschüssigen
flügel abschnitt

ich konnte
ihn weder bewegen
noch erreichen in seiner
sprache des schweigens
(dabei hätte ich so gern gewusst
wie spät es wirklich ist)

er sieht noch immer
auf die gleiche
stelle mit einem
entsetzten blick
ich glaube
er hat dort einen geist gesehen

(aus: grenzland. edition Musagetes, Wien 2009.)

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