Sonnentanz

Kürzlich erschien im Mitteldeutschen Verlag ein Buch mit Primärtexten (Gedichte und kurze Prosa) von Walter Bauer mit dem Titel Sonnentanz. Als Herausgeber fungierten Jürgen Jankofsky und Prof. Günter Hess. Ich habe darin meine Eindrücke zum mitteldeutschen Kanadier Walter Bauer zum Besten gegeben. Der darin von mir enthaltene Aufsatz heißt „Schade, daß ich nur einen Kern habe“ (der Titel bezieht sich auf eine Verszeile Bauers). Erhältlich ist das Buch unter anderem hier.

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Gedicht der Woche (XXXVIII)

Allein

(Edgar Allan Poe)

Seit meiner Kindheit war ich nie
wie andere – und sah nicht wie
die andern – achtete gering
den Frühling, der vorüberging –
woanders her kam mir der Schrecken –
ich könnt das Herz niemals erwecken,
sich in demselben Ton zu freun –
was ich auch liebte – liebte ich allein –
dann – als die Dämmerung sich fand
im sturmgeprägten Sein – entstand
aus tiefer Krankheit und Idyll
das Rätsel, das mich eingehüllt –
aus der Flut und der Fontäne –
aus der Felswand roten Tönen –
aus der Sonne, die mir folgt,
herbstlich ist ihr Ton aus Gold –
aus dem Blitz am Himmel, heiß,
der an mir vorübereilt –
aus dem Donner und dem Sturm –
und der Wolke mit der Form
(wenn gänzlich blau der Himmel ruht)
der mir trauten Höllenbrut –

Nachdichtung: Thomas Rackwitz

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Gedicht der Woche (XXXVII)

Die Wandersaison kann losgehen …

auf dem brocken

morgens wenn die sprache der schmetterlinge
wieder der vollkommenheit nahe ist, die
vögel die zerrissene luft in ihren
schnäbeln verbergen,

sich das fell der luchse mit nebel vollsaugt,
noch die alten grasnarben von den hirschen
aufgerissen werden und moos herunter
brennt an den bäumen –

in der spur des laubs sich verliert, die auf dem
fluchtweg des vergangenen sommers endet,
zittern hier die steine, als schliefe tief im
innern ein vulkan.

(aus: an der schwelle zum harz. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2014.)

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Zum Irrtum des Rationalen im Irrationalen

Zum Irrtum des Rationalen im Irrationalen

Der einfachen Definition auf Wikipedia folgend, meint irrational Sachverhalte oder Ideen, die der menschlichen Vernunft widersprächen oder aber sich dieser entziehen würden. Im Folgenden möchte ich etwas zu meiner Haltung zum Gedicht sagen, was sich nicht nur auf die bloße Entstehung und Rezeption bezieht.

Ist es denn nicht irrational, ein Gedicht, das aus dem Innersten nach außen strömt, durch Konzepte, Versuchsanordnungen, der Sprachwissenschaft verwandte Setzungsstrategien, oktroyierte Weltanschauungen o. Ä. zu manipulieren? Wird dadurch nicht das eigentlich Poetische, das Werk der Schöpfung unterminiert? Zumindest die letzte Frage war rhetorischer Natur. Das wahrhaft Poetische kann nur aus dem Inneren nach außen strömen, nie aber von außen nach innen. In diesem Fall wäre es gekünstelt oder bloße (Pseudo-)Wissenschaft. Ein Problem der Wissenschaft in diesem Zusammenhang ist aber die im wissenschaftlichen Vorgang nicht zulässige Empathie, die jedoch ein elementarer Bestandteil der schöpferischen Dichtung sein muss, denn der Sinn, das Sinnliche ist der Kern der die Zeit überdauernden Gedichte.

Ein Wissenschaftler untersucht Gegenstände, stellt Thesen auf, stellt diese auf die Probe und hat im besten Falle ein verwertbares Ergebnis, das wiederum von anderen Wissenschaftlern aufgegriffen werden kann. Dabei geht er logisch und rational vor. Wenn wir nun also versuchen, unter wissenschaftlichen Aspekten zu dichten, legen wir uns automatisch bestimmte Filter auf. Auf diese Weise bedingen wir bestimmte Haltungsschäden.

Zu viel an Wissenschaft verdrängt das Pathos in den Gedichten. Das Pathos wird inzwischen häufig mit „pathetic“ gleichgesetzt. Aber wir vergessen, Pathos kann auch eine Art Demut darstellen, die wir in der westlichen Welt nahezu völlig verloren haben und nicht selten mit Demütigung verwechseln. Wenn wir nun also das Pathos als völligen Unsinn abqualifizieren oder gar mit Kitsch gleichsetzen, nehmen wir dadurch eine Von-oben-herab-Haltung ein, die im Falle von Gedichten dem Gedicht selbst als solches nicht guttun kann, wird dadurch der Leser doch nicht selten belehrt oder gar vorgeführt. Wenn wir nun also gänzlich auf das Pathos verzichten, rauben wir dem Gedicht nicht zuletzt auch mögliche Inhalte. Ein Problem der zeitgenössischen Dichtung besteht in deren Inhaltslosigkeit. In wie vielen Gedichten geht es nur noch um die Sprache/Worte an sich. Alternativ werden geisteswissenschaftliche Haltungen aller Art zur Schau gestellt. Ketzerisch gefragt: Wäre es in diesem Fall nicht sinnvoller, dies in wissenschaftlichen Arbeiten zu behandeln?

Anfangs gab ich an, etwas  zu meiner Haltung in Bezug auf Gedichte preiszugeben. Nun, das fällt mir wahrlich nicht leicht, zumal ich mit jedem geschriebenen Gedicht immer unsicherer werde und mich ein Stückweit mehr in die fragile Welt meiner Dichtung zurückziehe und somit immer mehr von der Echtzeitwelt aufgebe. Denn: Wer den Weg der Dichtung betritt, lässt den Heimweg unwiederbringlich hinter sich zurück.

Nicht einmal in dieser kurzen Beschreibung komme ich ohne Pathos aus. Auf die Wissenschaft kann ich in meinen Gedichten weitestgehend verzichten. In der Dichtung spielt sie für mich eine untergeordnete Rolle. Ich vertraue auf die Bilder, auf den Rhythmus, auf Klangfolgen, auf größere Zusammenhänge, auf die bloße Intuition, auf den von Thomas Kunst so viel beschworenen Dreck, auf den Wahnsinn, der mich bisweilen heimsucht, auf den Kompass, der mir die Poesie ist, wo es doch nicht sonderlich um meine Orientierung bestellt ist, und versuche, mich nicht im Kleinklein der „Verdichtung“ zu verlieren. Bewirken wir denn durch eine Verdichtung der im Gedicht verhandelten „Materie“ nicht genau das Gegenteil von dem, das wir mit dem Gedicht erreichen möchten? Es stimmt: Viele zeitgenössische Gedichte sind stark verdichtet, was ihnen in der Kritik in der Regel positiv ausgelegt wird. Aber eine zu starke Verdichtung führt unweigerlich dazu, dass das verloren gehen muss, was zwischen den Zeilen stehen könnte. Also die implizite(n) Aussage(n). Zu viel Verdichtung ist zu viel des Guten, bedeutet zu viel Ratio.

Was aber fasziniert uns an Gedichten? Ist es nicht das Irrationale, Unsagbare, diese Unbekannte, die sich nicht auf andere Weise wiedergeben lässt und wenn dann nur stark verwässert? Oder faszinieren uns die in den zeitgenössischen Gedichten so oft verhandelten Ars-poetica-Theorien, die Wortspiele, die Metatexte, die Zitiermechanismen, die Sprechweisen, die künstlich angeordneten Versatzstücke? Verleiht denn die Verwendung des Blocksatzes dem Gedicht einen wirklichen Mehrwert? Geht es noch lakonischer, noch präziser? Auch hier gilt, zu viel an Präzision verstellt den Blick aufs Ganze.

Gibt es denn überhaupt noch vernünftige Gründe, in der heutigen Zeit Gedichte zu schreiben? So ganz ohne Markt, ohne Interesse, ohne wirklichen Mehrwert? Rational betrachtet, ein ganz klares Nein. Es ist also von Grund auf irrational, überhaupt Gedichte zu schreiben. Was spricht dann also dagegen, in den Gedichten irrational zu sein? Was spricht also dagegen, sich dem Zeitgeist, sich dem Zeitgenössischen zu entziehen und beispielsweise Reime zu verwenden? Dem Pathos so zu vertrauen wie der Wissenschaft … Alles im Lot zu halten, das ist die Kunst.

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Gedicht der Woche (XXXVI)

WAS UNS DER ABGRUND LEHRT? WAS WOLKEN TRÄUMEN:
von schulterlangen meeren im exil,
wachholderaugen, krückstockbäumen,
gebückten zungen, tschernobyl,
von sich als ihrer eigenen metapher,
cumulus interruptus in der kluft,
der engel devisenbeschaffer,
gelageplänen, algorithmenduft,
der vetternwirtschaft im taifun,
der ewigkeit, die sich nie findet,
von ihrem regenwunden weiß.
we are as clouds that veil the midnight moon –
so ungeuer oben
, dass der abgrund schwindet.
die ewigkeit ist nur ein wendekreis.

(noch unveröffentlicht, aus dem noch fragmentarischen Zyklus dreaming of fiji)

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Gedicht der Woche (XXXV)

im keller

seit einiger zeit
bewohnt ein engel
meinen keller steht da
wie angewurzelt
zwischen holzvorrat
und feuerlöscher

hin und wieder
flüchten ein paar spinnen
über seine barocke
perücke die flügel
hat wahrscheinlich niemals
irgendwer entstaubt

alle meine versuche
ihn zu erwecken
waren sinnloser natur
der eingepflanzte chip
löste sich auf in der blutbahn
roch es nach weihrauch
das blut das um einiges
dünner war als wasser
schoss nach oben
als ich ihm den überschüssigen
flügel abschnitt

ich konnte
ihn weder bewegen
noch erreichen in seiner
sprache des schweigens
(dabei hätte ich so gern gewusst
wie spät es wirklich ist)

er sieht noch immer
auf die gleiche
stelle mit einem
entsetzten blick
ich glaube
er hat dort einen geist gesehen

(aus: grenzland. edition Musagetes, Wien 2009.)

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FBK-Austritt

Blankenburg, 7.9.2018

Werter Vorstand des Friedrich-Bödecker-Kreises,

hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung aus dem Friedrich-Bödecker-Kreis e.V. in Sachsen-Anhalt (FBK) aus.

Die Mitgliederversammlung am 5.9.2018 in Magdeburg war m. E. eine Art Schauprozess. Janko war in Absprache mit seinem Anwalt nicht anwesend. Das war der Grund für sein Fernbleiben. Nichts anderes. Seine Abwesenheit wurde hingegen höhnisch belächelt.

Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedern des FBK habe ich stets versucht, mir beide Seiten anzuhören und mich nicht einlullen zu lassen. In den letzten Wochen habe ich so ziemlich jede Stimme aus der zunächst sehr einseitigen Presse vernommen. Da war von „schwerwiegenden Vorkommnissen des Geschäftsführers gegenüber unserer langjährigen Referentin“ die Rede (also hat sich der Vorstand ja doch in der Presse geäußert, obwohl auf der MV Gegenteiliges behauptet wurde; Kai Agthe wird sich ja kaum selbst zitiert haben), was einige Leute, die sogar mich darauf ansprachen, als sexuelle Belästigung deuteten. Zur Erinnerung: Es bestand jederzeit die Möglichkeit, diese Formulierung seitens des Vorstands zu entschärfen. Stattdessen mündete das Ganze in neuen Anschuldigungen. Obige Formulierung ist weiterhin online einsehbar und wurde von der MZ nicht gelöscht.

Im neuesten Volkstimme-Artikel scheint sich der Wind der Presse ein wenig gedreht zu haben. Plötzlich werden in der Presse beide Seiten vernommen, da ist auch „vom Clan, der sich um die ehemalige Vorsitzende Dorothea Iser zusammengefunden habe“ die Rede. Und genau dieser „Clan“ [keine Ahnung, wer diesen Ausdruck gebraucht hat] war größtenteils in Magdeburg anwesend. Machen wir uns nichts vor. Die Spaltung ist da. Es bringt nichts, sie wegzudiskutieren. Ich hatte bei der MV in MD eher den Eindruck, man wolle diese gesamte Angelegenheit unter den Teppich kehren, um weitermachen zu können, zumal das Urteil längst verhängt worden war. Von der von Frau Iser antizipierten Aufteilung von Literaturförderung/Leseförderung würden mehrere Vereine profitieren. Da sie in diesem Zusammenhang von „wir“ sprach, liegt die Vermutung nahe, dass sie weiterhin die Fäden im Hintergrund zieht. Einige FBK-Mitglieder, die gleichzeitig andere Vereine vertreten, fanden diese Idee entsprechend gut und störten sich beispielsweise entsprechend am „Personenkult“ um Janko. Ich hingegen finde diese Idee fahrlässig. Wenn ich mir anschaue, was die anderen Literaturvereine des Landes in den letzten Jahren auf die Beine gestellt haben und dies mit dem FBK vergleiche, ahne ich, wohin die Reise geht. Man sehe sich nur mal die Website des Förderkreises der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt e.V. an. Diese sieht aus wie aus den tiefsten 90er Jahren.

Zu den eigentlichen Kernproblemen hat sich niemand geäußert, also insbesondere zur rechtlichen Situation: Wer vertritt beispielsweise den FBK in dieser Angelegenheit? Das Arbeitsklima lässt sich schwerlich von außen beurteilen. Da nützen auch einzelne E-Mails wenig. Zur Wahrheit gehören immer zwei Seiten. In der MV wurde nur eine Seite dargelegt. Das Buch „Anna Hood“ ist im MDV erschienen, ohne Hinweis auf den FBK. Die Vorgänger von „Anna Hood“ erschienen im Dorise-Verlag. Auch hier (ich hab 2 Exemplare zu Hause) gibt es keinen Hinweis auf den FBK! Ich kann es auch nicht nachvollziehen, warum es Frau Iser nicht verstanden hat, dass ein Buch in mehrere Sprachen übersetzt und dann an deutschen Grundschulen vorgestellt wird. Es ist doch naheliegend. Hier geht es um den offiziell in der Politik lancierten interkulturellen Austausch. Es gibt viele „Problemschulen“ mit einem erhöhten Migrationsanteil. Diese Kinder wiederum können von diesem Angebot durchaus profitieren, wenn sie „Anna Hood“ sowohl in ihrer Mutter- als auch in ihrer Zweitsprache lesen können. Zudem weckt das Buch eine Neugier der Kinder auf andere Sprachen.

Um es noch einmal zu verdeutlichen, weshalb ich austrete. Es sollte immer die Unschuldsvermutung gelten. Diese wurde in diesem Fall mit Füßen getreten. Janko wurde zuerst die Weisungsbefugnis entzogen, bevor sich der Vorstand überhaupt ein Bild machen konnte. Passenderweise war Janko am 27.6. zur Vorstandssitzung nicht einmal anwesend und konnte folglich auch nicht angehört werden. Ich trete auch aus, weil ich, so die Spaltung denn kommen sollte, keine Daseinsberechtigung für mich mehr in diesem Verein sehe, da ich eher in den Bereich „Literaturförderung“ falle.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Rackwitz

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Gedicht der Woche (XXXIV)

Das Gedicht dieser Woche ist kein Gedicht, sondern ein bisher nicht eingesungener Songtext. Wer Interesse daran hat, den Song einzusingen, kann sich diesbezüglich gerne an mich wenden.

Daddy is a Politician

Daddy signed some papers
With ink that didn’t dry
He’s beating ’bout the bush
Oh he is so polite

Sometimes when he’s laughing
Some children start to cry
He doesn’t care about them
As long as he can lie
As long as he can lie

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Whenever daddy comes to town
Wherever he comes from
He’s parking his big limousine
Within the dirtiest slum

Last autumn near a chasm’s shore
His enemy got lost
He seemed to be hit hard by it
But didn’t give a fuck

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Bridge:

taking money
making laws
waking demons
drawing straws

sawing off
all enemies
starting wars
in disbelief

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Gedicht der Woche (XXXIII)

südlich von jetzt

das licht wirft
neue samen
vögel graben
sie aus in der luft

als mir der stein
ins wasser fällt
das preisgibt
seine jahresringe

fast ist es still
erstorben das playback
im hundezwinger

die strichlisten voll

noch sitze ich hier
staub
festen glaubens
fühle wie eine larve
sich im herzen verpuppt

(aus: im traum der dich nicht schlafen lässt. chiliverlag, Verl 2018.)

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Literaturpreis Harz

Am Sonntag wurde im Schloss Harzgerode zum zweiten Mal der Literaturpreis Harz verliehen. Ich war krankheitsbedingt leider verhindert, denke aber, dass die Auslobung dieses Literaturpreises eine schöne Sache ist, zumal vernünftige Literaturpreise (ohne Schwachsinnsvorgaben) in dieser Region rar gesät sind. Gestern lese ich in der GZ Folgendes:

Insgesamt acht Hobbyautoren wurden mit Preisen bedacht.

WTF? Hobbyautoren? Ist dann in diesem Fall die zuständige Redakteurin, Andrea Leifeld, ebenfalls eine Hobbyjournalistin? Meines Erachtens ist dieses Wort „Hobbyautor“ dermaßen ehrabschneidend, dass mir die Worte für eine politisch korrekte Beleidigung fehlen. Was unterscheidet überhaupt einen „Hobbyautor“ von einem „Autor“ bzw. von einem „professionellen Autor“? Geht es um die reine Publikationstätigkeit müssten auch beispielsweise Pessoa oder Rimbaud als „Hobbyautoren“ gelten. Und was ist mit den ganzen Autoren, die ein Publikationsverbot zu erdulden hatten und haben? Sind das auch „Hobbyautoren“? Schreiben ist doch kein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung.

Genereller Nachtrag: Das Wort „Schreiberling“ geht im Übrigen auch überhaupt nicht …

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