im traum der dich nicht schlafen lässt – Rezension von Cordula Scheel

Thomas Rackwitz – Gedichte
im traum, der dich nicht schlafen lässt
© chiliverlag, 1. Aufl. Januar 2018
ISBN 978-3-943292-60-2

Sind die Gedichte von Thomas Rackwitz eine Suche nach Identität? Ein Versuch, seinen Ort zu finden, einzuwurzeln?

Der Buchumschlag ein Traum, der uns nicht schlafen lässt, ein kahler Baum mitten im Meer, schwarz im Indigo der Nacht, die sich erhellt im Licht des Vollmonds, den Fisch erleuchtet, der zu ihm emporspringt.  Eine magische Szene. Thomas Rackwitz ruft die tief in uns verankerten mythischen Bilder auf, klopft sie ab auf ihre Gültigkeit. Geben sie auch heute eine Antwort auf die großen Seinsfragen? „der traum, den du begreifst, den gibt es nicht / als feuer, das die zeit umkehrt. / geschrieben steht die zeit dir ins gesicht. / wenn sich das nichts von selbst zerstört. / am anfang war der schlaf, der halbe tod.“

Wir sind mitten in den Vorstellungen des antiken Griechenlands, bei Morpheus, des Todes Bruder, dem Zwilling des Thanatos. Das Gedicht schließt mit den Versen: „seit du dich mehr und mehr verzweigst, / wächst du nach innen in die sterblichkeit.“
Leben und Tod, es geht um den Weg. Wie kann er gelingen? Um hinüber zu gelangen in die Zeit nach dem Sterben, um hineinzukommen in den Ort, den sie Hades nannten oder Orkus, gilt es, den dreiköpfigen Wachhund Zerberus zu besänftigen. Vorher aber müssen wir etwas im Leben erworben haben, das Fährgeld für Charon unter der Zunge tragen, den obolus: „wir sind verloren ohne obolus. / zu leicht verspielt“ – „Was schulden wir? / was vor uns liegt? was dreifach bellt …“

Dass wir am Ende unserer Tage etwas hinüberzubringen haben in die Transzendenz, ist ein Gedanke, der sich durch die Zeiten zieht, sich in den Religionen wiederfindet. Wir haben die Aufgabe, mit unseren Talenten zu wuchern, ein Mehr hinzuzufügen, den goldenen Apfel ins Paradies zurückzubringen. „Grün ist des Lebens goldener Baum“, heißt es bei Goethe.

Thomas Rackwitz kennt sich aus mit Sprache, mit ihren Bildern. Er bringt sie zum Klingen, setzt so gekonnt wie unauffällig Reime, seine Sonette kommen wunderbar leicht daher, sodass wir sie nicht gleich als kunstvolle Form erkennen. Als Gedicht liest sich selbst das Inhaltsverzeichnis. Gibt es in Abschnitt I noch Überschriften, so nimmt jedes neue Gedicht der Teile II, V und VI die Endzeile des vorangegangenen Gedichts auf, führt den Gedanken fort. So entsteht eine fast atemlose Intensität, eine Spannung, wie wird es Thomas Rackwitz gelingen, das Ende seines Gedichts, die Frucht, unmittelbar als Beginn weiterzuführen?

„nach dem sprung aus traum und zeit“ gehen wir zurück „bis zum meer in seiner mondschwermut“. … „nichts ist so kostbar wie der schlaf, / der dir nicht mehr gehört.“
Tröstet die Imagination? Was geht verloren, was bleibt? „wir fliehen rastlos durch die welt, / der wir misstraun wie uns die tiere / entwertet unser wechselgeld, / gefälscht die zukunft, die papiere. / wie wertlos alles ist ohne bezug.“

Findet sich dieser innere Rückhalt in den Gedichten? Was auch immer die Zeichen spiegeln, von denen Thomas Rackwitz‘ Bilder sprechen, sie fallen in Traum und Zeit zurück. Er beschwört in seinen Gedichten die Imagination einer angehaltenen Zeit. Wo mündet sie? Das Ziel ist ins Innere, ins Unruhige verschoben. Es erscheint im Schlaf, „nichts ist so kostbar wie der schlaf“. Hier wird Unbewiesenes erfahrbar, findet seinen Ort. Das Gedicht kann es in Sprache fassen. „Was das Gedicht nicht zu sagen vermag, ist der Rede nicht wert“, sagt Thomas Rackwitz. Kehren wir seinen Satz ins Positive. Seine Gedichte leben in der offenen Spiegelung der angehaltenen Zeit. Wir ahnen, dass sie auch uns betreffen. Thomas Rackwitz‘ Gedichtband im traum, der dich nicht schlafen lässt verdient sehr große Aufmerksamkeit.

Hamburg, den 5.5.2018
Cordula Scheel

Veröffentlicht unter Allgemein, Veröffentlichungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Lesung im Literaturhaus Halle

Nicht vergessen … Am nächsten Dienstag (17.4.2018) lese ich ab 19 Uhr im Literaturhaus Halle (im sog. “Grünen Salon”). Moderiert wird die Lesung von Ralf Meyer.

Veröffentlicht unter Termine | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

dass du so müde bist ist nicht mehr schlimm

Das Gedicht dass du so müde bist ist nicht mehr schlimm aus meinem aktuellen Gedichtband im traum der dich nicht schlafen lässt wurde heute im vom DAS GEDICHT präsentierten Blog Fremdgehen, jung bleiben von Stefanie Lux besprochen. Näheres findet sich hier.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bücherfrühling

Der Frühling findet in diesem Jahr in Braunsbedra statt, wollte sagte der Bücherfrühling

Veröffentlicht unter Termine | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

im traum der dich nicht schlafen lässt – Rezension von Michel Ackermann

Heute ist die erste Rezension zu meinem neuen Gedichtband im traum der dich nicht schlafen lässt erschienen. Die Rezension ist gleichzeitig die Empfehlung des Monats auf den Seiten der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. Vielen Dank! Zur vollständigen Rezension geht es hier.

Veröffentlicht unter Allgemein, Veröffentlichungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Lesung im Molmerswende (Artikel in der MZ)

Veröffentlicht unter Allgemein, Termine | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert

SOS – save our site (Fixpoetry)

Kleiner Zwischenbericht: Vielen Dank für den Zuspruch, unsere Leserinnen und Leser unterstützen uns und werden uns hoffentlich auch weiter unterstützen. Das gibt Kraft und verschafft mir und Fixpoetry ein wenig Luft, Förderungen zu beantragen, die es uns erlauben werden, Literatur in ihrer ganzen Breite weiterhin sichtbar zu machen. Krisen können ja auch ein Glücksfall sein, zwingen uns Positionen zu überdenken, Zusammenhänge in einem anderen Licht zu sehen sowie neue Ansätze und Ideen zu entwickeln. Es ist mir eine Herzensangelegenheit Fixpoetry nicht nur zu erhalten, sondern weiter voranzubringen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist, dem literarischen Wort Öffentlichkeit zu verschaffen, denn Literatur wird gebraucht, heute vielleicht nötiger denn je! Im Namen meines kleinen Teams bedanke ich mich bei allen kleinen und großen Spender_innen und bei allen Autor_innen, die derzeit ehrenamtlich weiterarbeiten. Bitte bleiben Sie/bleibt uns gewogen, unser Unterstützungsaufruf gilt noch bis Ende Februar 2018. Tragen Sie ihn/tragt ihn hinaus, teilt ihn, retweeted ihn, redet darüber, damit wir weiter über Literatur reden können. (Julietta Fix, Herausgeberin)

Gute Literatur braucht einen Ort. Wir möchten dieser Ort für Sie sein.“

Weitere Infos direkt unter Fixpoetry.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

Das Gedicht

Eine kleine Erwähnung in der Rhein-Neckar-Zeitung ist besser als keine … ;-)

In der Jubiläumsausgabe widmen sich die Herausgeber Anton G. Leitner und José F. A. Oliver dem Thema “Religion”. Ausgehend vom Lutherjahr setzten sich die Dichter Harry Oberländer (“luther”) und Thomas Rackwitz (“wer glaubt schon an die fünfundneunzig”) literarisch mit dem wittenbergischen Reformator auseinander.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Fix Zone

Heute auf Fixpoetry ein kleiner Teaser zu meinem neuen Gedichtband. :-)

Veröffentlicht unter Allgemein, Veröffentlichungen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Von Veldeke

Demnächst erscheint eine Anthologie im Mitteldeutschen Verlag, in der ich ebenfalls vertreten sein werde mit einigen Gedichten. Die Grundlage für diesen Band bildete eine Autorenbegegnung in der Akademie Sonneck im letzten November. Hier diskutierten Literaten, Wissenschaftler und Übersetzer über Literatur. Der Band wird Von Veldeke zu Face- und E-Book heißen und trägt den Titel des Seminars. Im Band finden sich noch weitere Texte, u. a. von Wilhelm Bartsch, André Schinkel, Jürgen Jankofsky, Kristina Schippling, Richard Pietraß …

Veröffentlicht unter Anthologien, Veröffentlichungen | Kommentare deaktiviert