Gedicht der Woche (XXXIV)

Das Gedicht dieser Woche ist kein Gedicht, sondern ein bisher nicht eingesungener Songtext. Wer Interesse daran hat, den Song einzusingen, kann sich diesbezüglich gerne an mich wenden.

Daddy is a Politician

Daddy signed some papers
With ink that didn’t dry
He’s beating ’bout the bush
Oh he is so polite

Sometimes when he’s laughing
Some children start to cry
He doesn’t care about them
As long as he can lie
As long as he can lie

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Whenever daddy comes to town
Wherever he comes from
He’s parking his big limousine
Within the dirtiest slum

Last autumn near a chasm’s shore
His enemy got lost
He seemed to be hit hard by it
But didn’t give a fuck

Daddy has a mission
He is a politician
He has to ruin some folks
And has to snap some dreams

Daddy has a vision
He is a politician
He has to do weird stuff
And cannot get enough
Of money and of equities
Not forgetting dispossession
He doesn’t need permissions
Cause he is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Yeah Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician
Daddy is a politician

Bridge:

taking money
making laws
waking demons
drawing straws

sawing off
all enemies
starting wars
in disbelief

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Gedicht der Woche (XXXIII)

südlich von jetzt

das licht wirft
neue samen
vögel graben
sie aus in der luft

als mir der stein
ins wasser fällt
das preisgibt
seine jahresringe

fast ist es still
erstorben das playback
im hundezwinger

die strichlisten voll

noch sitze ich hier
staub
festen glaubens
fühle wie eine larve
sich im herzen verpuppt

(aus: im traum der dich nicht schlafen lässt. chiliverlag, Verl 2018.)

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Literaturpreis Harz

Am Sonntag wurde im Schloss Harzgerode zum zweiten Mal der Literaturpreis Harz verliehen. Ich war krankheitsbedingt leider verhindert, denke aber, dass die Auslobung dieses Literaturpreises eine schöne Sache ist, zumal vernünftige Literaturpreise (ohne Schwachsinnsvorgaben) in dieser Region rar gesät sind. Gestern lese ich in der GZ Folgendes:

Insgesamt acht Hobbyautoren wurden mit Preisen bedacht.

WTF? Hobbyautoren? Ist dann in diesem Fall die zuständige Redakteurin, Andrea Leifeld, ebenfalls eine Hobbyjournalistin? Meines Erachtens ist dieses Wort „Hobbyautor“ dermaßen ehrabschneidend, dass mir die Worte für eine politisch korrekte Beleidigung fehlen. Was unterscheidet überhaupt einen „Hobbyautor“ von einem „Autor“ bzw. von einem „professionellen Autor“? Geht es um die reine Publikationstätigkeit müssten auch beispielsweise Pessoa oder Rimbaud als „Hobbyautoren“ gelten. Und was ist mit den ganzen Autoren, die ein Publikationsverbot zu erdulden hatten und haben? Sind das auch „Hobbyautoren“? Schreiben ist doch kein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung.

Genereller Nachtrag: Das Wort „Schreiberling“ geht im Übrigen auch überhaupt nicht …

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Gedicht der Woche (XXXII)

Zum heutigen Gedicht der Woche mal ein kleiner Seitenhieb. Ich habe vor einigen Jahren mehrfach (2005, 2007, 2010, 2014) vergeblich versucht, auf der Plattform Poetenladen unterzukommen. Unter anderem habe ich dazu das folgende Gedicht eingereicht. Aufgenommen in den Autorenpool wurde ich nicht, möchte ich im Übrigen auch nicht mehr. Inzwischen ist das Portal ein virtueller Friedhof (passend dazu die sog. Stelen). Ein Teil der Bewegung (siehe beispielsweise hier) möchte ich auch nicht sein.

das algebra

1

das algebra zählt nicht auf buchstabensuppe
es schwört vielmehr auf zahlensalat
auch albträume sind ihm größtenteils schnuppe
es fürchtet allein den verqueren pi-rat

am liebsten wäre es zahnarzt geworden
um wieder und wieder wurzeln zu ziehn
die zahlen ließ es schon oft überborden
ganz gleich ob das minuszeichen erschien

es erdet den himmlischsten heiligenschein
und glaubt nicht es denkt nur hoch x
manchmal beim quer summen fällt es ihm ein
die wahrheit sei null komma nix

2

das algebra denkt nur bedingt ideo-logisch
und wohnt auf der minusinsel
die eulersche zahl hält es selbst für utopisch
schwingt lieber den kosinuspinsel

die seufzer sind eher binärer natur
zwar glaubt’s nicht der zahlenfee
doch macht’s im abstrakten ne gute figur
sein leitspruch ist wzbw

es sucht fast verzweifelt nach richtigen werten
auch fernab jedes beweises
denn oft schon schlich es auf sinnlosen fährten
der quadratur des kreises

(aus: ausgrabungen am offenen herzen. Hallesche Autorenhefte 61, Halle 2015.)

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Gedicht der Woche (XXXI)

die krätze hat mich liebgewonnen alter freund
nur hab ich keine zeit zum beten ich lebe
zwischen provokation und detonation
verlust und vergessen uhren und urnen
die grenzen verschieben sich
selbst am arsch der seele
meine augen werden fremd wie die dinge
an die ich glauben soll aber nicht will
glaubst du noch an verschwörungstheorien
den großen kürbis an die autodidakten des scheiterns
die domestizierung von staub
der soziale abschwung wäre nur eine phase
haben sie gesagt in ihrer therapie
einander die hände haltend wie feuerzeuge
es ist nicht einfach für mich alter freund
ich lebe mit kapitalisten zusammen
erst knebeln sie dich mit ihren verträgen
dann verhöhnen sie dich
man gewöhnt sich irgendwann daran
an die ständige überwachung
dass beim ficken die wanzen von den wänden fallen
und du für den schaden zahlen musst
neulich alter freund als ich gassi ging
mit meinen himbeergeistern kurz nach ladenschluss
als die sirene hier wie jeden abend
das alphabet übte der flaschensammler
in seiner metaprache rülpste schreckte ich auf
Gott sprach fürchte dich nicht
je schlimmer du stinkst desto schöner der tod
und verschwand hinter asozialen träumen
jetzt geht es mir besser
da ich am arsch der seele mich kratzend
weiterhin zu den verschwörern zähle
auf die nächste phase warte und mich
die krätze liebgewonnen hat mein alter freund

(aus: im traum der dich nicht schlafen lässt. chiliverlag, Verl 2018.)

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Gedicht der Woche (XXX)

So, in dieser Woche öffne ich mal den Giftschrank. Hier findet ihr ein Gedicht aus meinem Marathonsonettenkranz „vororte. spam-gedichte“. Selbiger entstand zwischen 2009 und 2011 und besteht aus 211 Sonetten, liegt aber auf Eis. Frank Milautzcki verweist in der Fixzone im Übrigen noch auf den Vorgänger-Sonettenkranz. Dieser bestand aus nur 61 Sonetten, bildete jedoch die Grundlage für dieses Werk. Aktuell arbeite ich an einer besseren Fortsetzung.

1,2

die pausenclowns waren durchschaut
und stricke waren vergriffen.
die irren hatten dem irrtum vertraut.
manch vogel wurde verpfiffen –

noch köchelten zahllose buchstabensuppen
trotz saisonaler zäsuren.
ein kuppler fingerte voodoopuppen
und legte danach falsche spuren:

die zahnfee bleckte die hauer
(der rest war nicht mehr intakt).
charybde skyllte die mauer –

stets oversexed but underfucked.
für den topfkratzer galt (der grenzwertig roch):
nur eine woche gönnt ihr gewaltigen noch.

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Gedicht der Woche (XXIX)

WAS DIESES LAND BRAUCHT

von David Lerner

was dieses land braucht
ist ein guter anwalt für
fünf cent aus nem münzautomaten

was dieses land braucht
ist eine diätbrause
die dir das singen beibringt
und dich gleichzeitig
wichtig aussehen lässt

was dieses land braucht
ist der richtige sinn
in fremden sachen die nase drin
das messer im rücken

was dieses land braucht
ist die furcht so durch das land gleiten zu müssen
wie gas

was dieses land braucht sind
vögel die zu singen aufhören
und wunden die nicht mehr verheilen
und feuer das sich in etwas wirklich
brennendes verwandelt

was dieses land braucht sind
räume aus blut aus furcht
aus vergangenen zeiten aus
tausendjährigem schnee

was dieses land braucht
ist die kraft nicht abzustürzen

mit der flasche am mund
den fuß auf dem gas und
den beäugten schatten

und die heuchelei dass sich die geschichte
nicht auswächst zu einem
zurückgebildeten idioten mit fangzähnen

was dieses land braucht
ist eine kleine schicht
die gerade groß genug ist um sich durchzuschleppen
egal was sich unten
im nächsten tal auch befindet

eine schicht die sich nicht aufhalten lässt

denn jeder müde brennende geist den man sich vorstellen kann
ist so hartgekocht so
heruntergekommen und atmet doch weiter
hat sich dank drogen hierher geschleppt
kroch ohne sich dran zu erinnern auf dem endlosen
boden

dass ein weiterer arschtritt
eher etwas erleichterndem gleicht
solange es für den ganzen
weg reicht

(Übertragung ins Deutsche durch Thomas Rackwitz)

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Gedicht der Woche (XXVIII)

nicht die lieder die stimmen

ich habe alle alle die lieder
aus meiner kindheit vergessen
und all jene stimmen der menschen
die sich einst um mich sorgten manchmal
noch sehe ich ihre angestrengten gesichter
grau und in schemen sehe die mein haar
zurechtzupfende hortnerin
oder im sommer den aufgewirbelten
staub auf den feldern als ich in den ferien
im leerstehenden silo noch unbedacht spielte
fern der eltern und all der erzieher
zumindest so lange dass niemand mich suchte
damals erschien es mir so als würde es immer
so bleiben fast nichts davon ist geblieben
nicht die lieder die stimmen
nur den einen geruch vernehm ich
bisweilen doch weiß ich nicht mehr
woher ich ihn von früher her kenne

(aus: grenzland. edition Musagetes, Wien 2009.)

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Erklärung von Dr. Harry Ziethen und Ludwig Schumann

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Jürgen Jankofsky war von 2000 bis 2018 Geschäftsführer des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e.V. In diesen Jahren entwickelte er den Landesverband zu einem der führenden in der Bundesrepublik Deutschland, der dabei nicht nur die ureigene Arbeit des Friedrich-Bödecker-Kreises, nämlich die Leseförderung und die Begegnung der Schulju- gend mit heutigen Autoren in Sachsen-Anhalt im Blick hatte. Durch die Landesregierung wurde der Verband mit der Förderung des literarischen Lebens im Lande betraut und auch institutionell gefördert.
Jürgen Jankofsky hat diese Herausforderungen zu seiner Sache gemacht, die Schriftstel- ler in Sachsen-Anhalt in diese Projekte integriert und auf diese Weise zahlreiche Beispiele für Literaturentwicklung geschaffen, die heute Ausstrahlung auf das gesamte Bundesge- biet haben. Dazu gehören Schreibwettbewerbe der Schuljugend, Schreibwerkstätten jun- ger Autoren, Schulschreiberprogramme mit in diesen Projekten entstandenen Büchern, aber auch Lesereihen wie die Landesliteraturtage oder die Interlese. Im Auftrag des Lan- des schuf er Kontakte zu den Autoren Armeniens, Bulgariens ebenso, wie er Kontakte zu internationalen Autoren für die Literaturzeitschrift Sachsen-Anhalts, „Ort der Augen“ (oda) pflegte. Gemeinsam mit dem LISA entwickelte er das LESEFUTTER zu einer seit zwölf Jahren regelmäßig erscheinenden Lektüreempfehlung für Lehrkräfte, zudem engagiert er sich als stellvertretender Vorsitzender des Literaturbeirates des Kultusministeriums für die Vergabe von Fördermitteln sowie des Klopstock-Förderpreises.
Jürgen Jankofsky war 2. Vorsitzender des Bundesverbandes der Friedrich-Bödecker- Kreise und hat als solcher auch dazu beigetragen, dass andere Landesverbände gegrün- det oder erhalten wurden. Dass er auch als Schriftsteller persönliche Autorität besitzt, zeigt sich u.a. daran, dass er Schatzmeister des deutschen P.E.N. wurde. Es waren nicht zuletzt seine Fähigkeiten als Autor, die ihn zum Partner der Autoren im Lande werden ließen, die er aber auch immer wieder in seine Arbeit für den Friedrich-Bödecker-Kreis einfließen ließ.

Nun wurde er durch den Vorstand des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt e.V. unter Einhaltung der Kündigungsfrist ohne Angabe von Gründen entlassen. Seine Aufga- ben als Geschäftsführer darf er nicht mehr wahrnehmen. Das wäre vielleicht noch nicht so ungewöhnlich. Es war aber keine einvernehmliche Lösung und stellt eine besondere Härte dar, weil Jürgen Jankofsky im Juni 2018 65 Jahre alt wurde und nach den bisherigen Ab- sprachen im Januar 2019 seine Funktion niedergelegt hätte und Rentner geworden wäre, ohne dabei, das hatte er angekündigt, seine ehrenamtlichen Aktivitäten einstellen zu wol- len. Partner des Landesverbandes im Land und außerhalb wurden über die Entscheidung informiert – ebenfalls ohne die Angabe von Gründen. Die Mitglieder des Landesverbandes wissen nichts, sie wurden nicht informiert. Es gibt deshalb eine erhebliche Verunsicherung, denn die Landesliteraturtage und die Interlese stehen vor der Tür, im September müssen die Anträge für das nächste Jahr gestellt werden und mit dem kommenden Schuljahr sind auch einige neu beginnende Schulschreiberprojekte verbunden, Aufgaben, die zwingend einen arbeitenden Geschäftsführer verlangen. Der Vorstand hat mitgeteilt, dass die Mitglieder gemeinsam die Geschäftsführung übernehmen. Dies kann aber nur gelingen, wenn Jürgen Jankofsky diese Aufgaben übergeben kann und übergibt. Es besteht die Gefahr, dass der Verein Schaden nimmt.

Noch ehe eine Benennung der Vorwürfe, geschweige denn eine Klärung stattgefunden hat, wurden aber wichtige Partner des bisherigen Geschäftsführers in Kenntnis gesetzt, als da sind der Bundesvorstand des FBK, das P.E.N.-Zentrum Deutschland, die Landesre- gierung und das Landesverwaltungsamt, offenbar auch Medien, denn inzwischen erschie-

nen erste Zeitungsartikel. Dieses Verfahren ist unserer Ansicht nach dem Charakters des Friedrich-Bödecker-Kreises als eines demokratischen Vereins, der „eine ganz neue Beziehung zur Sprache, zum Lesen und zur Literatur herstellen und die Lesefreude nachhaltig“ fördern will, nicht angemessen.
Wir wünschen, dass der Vorstand die Mitglieder umfassend informiert und in die Entscheidungsfindung einbezieht. Nur eine besonders schwere Verletzung der Pflichten eines Geschäftsführers rechtfertigt eine solche Behandlung unseres Autors, Mitstreiters und Partners Jürgen Jankofsky. Diese können wir uns nicht vorstellen.

11. Juli 2018

Unterzeichner der Erklärung (Stand 23.7.2018):

Patrick K. Addai, Schriftsteller, Friedrich-Bödecker-Preisträger, Linz (Österreich) und Kumasi (Ghana)
Dogan Akhanli, Schriftsteller (Köln)
Prof. Dr. Paul D. Bartsch, Literaturwissenschaftler und Autor (Halle)
Wilhelm Bartsch, Schriftsteller (Halle)
Prof. Dr. Henry Beissel, Anglist und Schriftsteller (Ottawa, Canada)
Susanne Berner, Grafikerin (Halle)
Franziska Beyer-Lallauret, Lyrikerin (Angers, Frankreich)
Matthias Biskupek, Schriftsteller (Rudolstadt)
Malte Blümke, Studiendirektor a.D. (Trier)
Nora Bossong, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland (Berlin)
Ralf Buschendorf, Journalist i.R. (Merseburg)
Carl-Loewe-Gesellschaft, Andreas Porsche im Namen des Vorstandes (Löbejün)
Gerda Dalipaj, Schriftstellerin (Quedlinburg)
Helga Daniel, Schriftstellerin (Mücheln)
Markus Digwa, Poet (Wolfen)
Bettina Fügemann, Schriftstellerin (Ballenstedt)
Karen Galster, Schriftstellerin (Arendsee)
Peter Gehre, Maler (Spergau)
Stefan Gemmel, Schriftsteller, PEN-, VS- und FBK-Mitglied (Lehmen)
Dr. Mariana Gorcyca, Generalsekretärin PEN Romania (Sighisoara, Rumänien)
Peter Gosse, Schriftsteller, Mitgl. Sächs. Akademie der Künste (Leipzig)
Ralph Grüneberger, Mitglied des PEN Zentrums Deutschland, Vorsitzender der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. (Leipzig)
Adina Heidenreich, Schriftstellerin (Wolfen)
Dr. Günter Hess, Germanist (Toronto, Canada)
Klaus W. Hoffmann, Schriftsteller und Musiker (Sandersdorf)
Axel Kahrs, Schriftsteller (Lüchow)
Tanja Kinkel, Präsidiumsmitglied des PEN- Zentrums Deutschland (Bamberg)
Heidrun Kligge, Schriftstellerin (Dessau-Roßlau)
Claudia C. Krauße, PEN-Geschäftsführerin (Darmstadt)
Alain Lance, Schriftsteller (Paris, Frankreich)
Heike Lichtenberg, Malerin (Halle)
Werner Makowski, Schriftsteller (Lutherstadt Eisleben)
Michael Marquardt, ehem. Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (Magdeburg)
Edward Militonyan, Schriftsteller, Präsident des armenischen Schriftstellerverbandes (Yerevan, Armenien)
Hermine Navasardyan, Dichterin, Vorsitzende der Auslandsabteilung des armenischen Schriftstellerverbandes (Yerevan, Armenien)
Ralf Nestmeyer – Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Prison-Beauftragter (Nürnberg)
Frauke Otto, Buchkünstlerin (Halle)
Dagmar Petrick, Schriftstellerin (Halle)
Heinrich Peuckmann, Präsidiumsmitglied des PEN-Zentrums Deutschland (Kamen)
Prof. Dr. Jan De Piere, Germanist und Autor (Essen, Belgien)
Richard Pietraß, Schriftsteller (Berlin)
Dr. Ekkehard Pistrick, Musikwissenschaftler und Autor (Quedlinburg)
Roman Pliske, Verleger (Halle)
Konrad Potthoff, Schriftsteller (Halle)
Gunter Preuß, Schriftsteller (Schkeuditz)
Thomas Rackwitz, Schriftsteller (Blankenburg)
Marion Ranneberg, Bibliothekarin (Merseburg)
Wolfgang Rischer, Schriftsteller (Süpplingen)
Jutta Sauer, Koordinatorin des PEN-Freundes- und Förderkreises (Oldenburg)
André Schinkel, Schriftsteller, Lektor und Redakteur (Halle)
Kristina Schippling, Schriftstellerin und Regisseurin (Berlin)
Axel Schneider, Geschäftsführer der lkj Sachsen-Anhalt e.V. (Magdeburg)
Ludwig Schumann, Dipl.-Theologe, Schriftsteller (Zeppernick)
Dr. Carlos Collado Seidel – Generalsekretär des PEN Deutschland (München)
Franziska Sperr – Vizepräsidentin des PEN-Zentrums Deutschland und Writers-in-Exile-Beauftragte (Berg)
Michael Spyra, Schriftsteller (Halle)
Stevan Tontic, Schriftsteller und Übersetzer (Novi Sad, Serbien)
Christel Trausch, Schriftstellerin (Wegeleben)
Gabriele Urban, Museumspädagogin (Merseburg)
Klaus-Dieter Urban, Metallbildhauer (Merseburg)
Astrid Vehstedt, Schriftstellerin (Berlin)
Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland (Hamburg)
Caroline Rose-Marie Vongries, Journalistin, Autorin, Dozentin (Magdeburg)
Gabriele Wennemer, Konferenzdolmetscherin, Übersetzerin (Paris, Frankreich)
Nils Wiesner, Schriftsteller (Merseburg)
Wolfsmehl, Dramatiker (Würzburg)
Annette Wunderlich, Kulturwissenschaftlerin (Halle)
Dr. Harry Ziethen, Verleger (Magdeburg)
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Beitrag von André Schinkel

Liebe Freunde und Kollegen, ich wurde nun wiederholt auf die Situation im Land [Sachsen-Anhalt] angesprochen und wurde gebeten, mich zu positionieren – ich weiß tatsächlich im Moment nicht, wie es mit ODA [Ort der Augen] weitergeht, ich bin da als einfaches Noch-Mitglied des FBK-Sachsen-Anhalt tatsächlich überfragt. Ich gehe davon aus, daß die Tage der Zeitschrift gezählt sind.

Soweit ich weiß, ist der Vorstand im Urlaub, sodaß dem auch in mir kochenden Wunsch, daß es eine sofortige Aufklärung der Dinge gibt, nicht entsprochen werden wird. Ich halte die Kündigung von Jürgen Jankofsky für den absoluten Super-GAU in der Literatur des Landes – es wird nichts mehr so sein, wie es war. Vom Procedere her deutet alles auf eine von langer Hand geplante Intrige, die mit Bedacht gesetzten kompromittierenden Sätze und der Umstand, daß diverse Instanzen lange vor den FBK-Mitgliedern informiert wurden, deuten darauf. Sollte sich das bewahrheiten, ist das das Ende des Vereins in der Form, und mit Recht.

Ich glaube wie einige Kollegen und Freunde, daß es in naher Zukunft keinen arbeitsfähigen FBK mehr im Land geben wird. Mit meiner Unterschrift unter den Brief von Ludwig Schumann und Harry Ziethen habe ich mich gemeinsam mit vielen Kollegen aus mehreren Ländern solidarisch erklärt und fordere Aufklärung – vor allem die einfachen Mitglieder des FBK sehe ich bewußt im Dunkel gelassen. Ich erwarte, daß die Sache sofort aufgeklärt wird. Dafür ist eine schnelle Mitgliederversammlung, die bei diesem gravierenden Einschnitt vonnöten ist, einzuberufen, im August und im September ist es dafür eigentlich schon viel zu spät. Ich habe mir mit dieser Forderung allerdings bereits die Zunge verbrannt, so daß ich weiß, daß das gar nicht gewünscht ist.

Was auch immer vorgefallen sein soll, bisher sind nur Spuren ausgelegt, die dazu dienen, dem Ansehen Jürgen Jankofskys zu schaden. Das ist unredlich. Eigentlich ist es so, daß im Herbst die 100. Ausgabe der ODA erscheinen sollte. Dazu müßte sie in Kürze in den Druck. Da es nun keinen Herausgeber mehr gibt und ich nicht absehen kann, wie sich das entwickelt, stelle ich die Arbeit als Chefredakteur bis auf Weiteres ruhend. Ich befürchte, daß das Heft nicht (rechtzeitig) erscheinen kann unter solchen Umständen.

Schon gar nicht wüßte ich, was in dem Editorial einer solchen Ausgabe zu schreiben wäre, wenn man ein ehrlicher Typ ist und bleiben will. An sich sollte es eine Ausgabe sein, die die Literatur feiert und daß es ODA gelungen ist, durchzuhalten und zu wachsen. Was eben auch und in großem Maße das Verdienst von Janko, der seit 2005 als Herausgeber fungierte, ist.

Mein Vertrauen in das, was die Literaturförderung und -öffentlichkeit in Sachsen-Anhalt war, ist erschüttert angesichts der Entwicklungen und der Geheimhaltung, mit der diese moderiert oder eben nicht moderiert werden. Es gibt im Moment leider auch keine objektive Berichterstattung seitens der Presse, sodaß diese existenzielle Situation in der Literatur des Landes letztlich dazu dient, das Sommerloch in diesem heißen Monat zu füllen. Festzustellen ist aber, daß alle Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte nun auf den Prüfstand kommen und mit ihnen die Arbeit auch in der Kinder- und Jugendförderung wie auch die Gewährleistung von Landesaufgaben, erfolgreiche Unterfangen wie die Interlese, Landesliteraturtage, Sonneck und ODA darunter.

Ich bin mit Jürgen Jankofsky seit über zwanzig Jahren befreundet, ich habe mit ihm stets vertrauensvoll gearbeitet und weiß von der Wertschätzung für seine Arbeit von Arendsee bis Jerewan, von Zeitz bis Stepanakerd. Sie ist auch absolut angebracht, ich hege sie selbst. Ich habe seine Zuverlässigkeit und uneigennützige Obsession, die Literatur des Landes nach vorne zu bringen, stets geschätzt und schätze sie noch. Was er für Sachsen-Anhalt und seit einer Reihe von Jahren auch überregional und international leistet, ist von einem unschätzbaren Wert. Andere bekommen für Geringeres einen Orden. Ich kann, will und werde nicht glauben, daß sein Ansehen und seine Leistungen plötzlich so anzweifelbar und wertlos sein sollen. Es erscheint mir völlig absurd.

In Fall der Fälle war es mir eine Ehre, für ODA im Einsatz zu sein. Ohne eine Klärung der Dinge wird es das nicht mehr sein.

André Schinkel

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